"Kids for Olympia" geht "on tour" und online

Die Chronologie einer Sichtungs- und Förderinitiative

Regensburg, 28. Februar 2007 (orv) - Mit dem heutigen Tag tritt die Sichtungs- und Förderinitiative des Fördervereins der LG Domspitzmilch Regensburg e.V. ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Damit schließt sich für eine der führenden bayerischen Leichtathletik-Vereinigungen eine jahrzehntelange Baustelle in der Talententwicklung. Mit der groß angelegten Sichtungsoffensive an allen Realschulen und Gymnasien in und um Regensburg herum will die LG Domspitzmilch ein wesentlich größeres Potential an leistungswilligem Nachwuchs schaffen. Als Medium bei den Schulen tritt Nachwuchs-Topathletin Susi Lutz auf, die dafür im Verein ihr soziales Jahr ableistet. In Domspitzmilchkreisen ist man sich natürlich klar, dass das jüngste Kind noch viel Fürsorge, aber auch viel Zeit in Anspruch nehmen wird.

Die Zeugung im Trainingslager

Eigentlich hatte man keinen Grund mit sich und seiner Leichtathletikwelt unzufrieden zu sein, damals im letzten Frühjahr, am runden Tisch des italienischen Trainingslagers. Abermals bestens gelungene deutsche Crossmeisterschaften lagen hinter den Machern des rührigen Regensburger Clubs, eine hoffnungsvolle Saison davor. Und trotzdem fehlte etwas. Stefan Wimmer, der bevorzugt im Hochleistungssport tätige "Münchner" Mehrkampftrainer sprach's an, dem Teamchef Kurt Ring brannte es schon lange auf den Nägeln und auch die anderen Disziplintrainer/Innen waren sich einig, dass das, was da in den Verein an Talenten permanent hereintröpfelte, eher dem Prinzip Zufall entsprach. "Wir müssen offensiv an die Schulen ran gehen" war der allgemeine Tenor. Gleichzeitig war man sich aber auch sicher, dass allein das nackte Wort "Leichtathletik" keinen Hund vom Ofen vor treiben würde, geschweige denn die Kiddys in Scharen zum Verein.

Viele Zufälle und Glücksfälle zurecht geschnitzt

Ein Konzept musste her und zwar ein vernünftiges. Zunächst aber geschah erst mal gar nichts, die Saison stand vor der Tür, die hohen Ansätze des eigenständigen Handelns fielen der hektischen Betriebsamkeit des Sportgeschehens zum Opfer. Da kam zum wagen Ziel auch eine Portion Glück dazu. Mit dem Wunsch unseres Talents Susi Lutz, doch nach dem Abitur ein soziales Jahr abzuleisten, der immer besser werdenden Zusammenarbeit mit dem Therapie- und Diagnosezentrums des Olympiastützpunktes Bayern, kurz "OSP" genannt, den immer konkreter werdenden Denkansätzen unseres neuen Vereinsarztes Dr. Dr. Gharavi und den eigenen ehrgeizigen Plänen Kurt Rings, zusammen mit seinem "Ziehvater", Altbundestrainer Lothar Pöhlitz, eine Coaching-Seite im Internet zu basteln, erkannte der Teamchef plötzlich Synergien für das Regensburger Förder- und Sichtungssystem.

Ein Haus braucht ein Fundament

Bloß sichten und dann schauen, wie man das Potential verteilen könnte, war gar nicht das Ding des Mannes, der in solchen Fällen ungern klein beigibt. Sinnvoll verknüpfen war hier als weiterführender Arbeitsauftrag gefragt. Das theoretische Gebilde vom Talent bis zum Olympiateilnehmer war schnell gefunden, teilweise schon vorhanden. Schließlich konnte man immerhin auf Bayerns einzige drei Olympiateilnehmer 2004 und auf etliche Nachwuchs-Förderpreise verweisen. Zufrieden konnte man damit aber noch nicht sein. Klar war auch, dass in den nächsten Jahren noch so manchen Kraftakt nötig wäre, um würdige und vor allem leistungsgerechte Rahmenbedingungen für den Weg nach oben zu schaffen. Nichts desto trotz wurden deswegen unzählige Gespräche mit dem Sportinternat, dem OSP, dem Diagnostikzentren, dem Sportzentrum der Universität, der Stadt und weiteren Einrichtungen geführt. Man fand offene Ohren vor, gewann Partner und es entstand schön langsam ein "Dossier". So nannte der Doc (Dr. Gharavi) zumindest das Vorgehenspapier, das dann auf dem Tisch lag.

Der Zufall half weiter

Konsequenterweise rannte man dann sofort zur hiesigen Printpresse. Das Ding schrie jetzt nach Öffentlichkeit und Vermarktung. Schließlich waren die nicht unerheblichen Kosten des Projekts absehbar. Die MZ jedenfalls sprang als Medienpartner mit ins Boot, was sich sicher à la longue als großes Pfund herausstellen könnte. Nicht ganz so programmgemäß war der Glücksfall KKH-Krankenkasse. Die klopften beim Förderverein in Sachen Herzkreislauf an und fanden so nebenbei "Kids for Olympia" durchaus förderungswürdig. Zusammen mit ihrem Partner, der LVM Versicherung, einer hiesigen Tankstelle und einem ansässigen Reifenhändler und der Hilfe einiger "stiller" Förderer bzw. last but not least dem Audi/Volkswagen-Center Regensburg war dann auch schon das Anmieten und Betreiben des ersten Kiddymobils, einem niegelnagelneuen VW-Bus (Neunsitzer) möglich.

Ins gemachte Nest fallen

Die LG-Fachkräfte haben inzwischen eine ganz fixe Vorstellung, welche Altersgruppe wie und wo ihren Weg nach oben in der LG Domspitzmilch beginnen soll. Die Fünft- und Sechstklassler sind die auserkorene Zielgruppe. Akkurat jene Altersgruppe, die man früher in der Schule Orientierungsstufe nannte. Das wiederum nicht zu unrecht. Gerade hier machen sich in jungen Menschen intrinsische Motivationsimpulse frei, die letztendlich den Wunsch hervorbringen "Das ist es, das ist meine Sportart". Beim Verein selbst ist man bestens vorbereitet. Die beiden Headcoaches für die 11-13-Jährigen, Christine Heil und Grit Kirschner, beides diplomierte Sportwissenschaftlerinnen, übernehmen den allgemeinen Grundlagenteil. Unterstützt werden die beiden von den im Jugendaufbautraining tätigen Disziplintrainern, die den Kiddys erste Schritte in den speziellen Disziplintechniken übermitteln. Vereinsarzt und Physio sind sofort vor Ort zur Stelle, wenn sich immer häufiger anzutreffende "Zivilisationsschäden" im Bewegungsapparat der jungen Sportler bemerkbar machen sollten.

Grundlagentraining - Grafik

Es kann losgehen

So wird sie nun los legen in den Schulen. Susi Lutz ist jedenfalls bis in die Zehenspitzen motiviert und als erste Station hat sie ihr eigenes Gymnasium, das Städtische Von-Müller-Gymnasium ausgewählt. Dort kreuzt sie dann auf, mit ihren bunten XX-Blocs für die Koordinationseinheit, der Stoppuhr und den Hochglanzbroschüren, die extra dafür produziert würden, um den angesprochenen Schüler/Innen geballte Information mit nach Hause geben zu können.
Hartnäckigkeit ist eine Zierde der ganz Guten im Leistungssport und Hartnäckigkeit wird auch Susi Lutz bei "ihrem" Projekt zeigen. Dranbleiben, hinterher telefonieren, überzeugen und motivieren … Schließlich war auch sie eine, die bei einem ersten zaghaften Ansatz einer Regensburger Talentsichtung vor nun mehr sechs Jahren entdeckt wurde.