Ein Athletenhaus als Investition in die Zukunft

Domspitzmilch-Leichtathleten wollen Talenten Leistungssport ermöglichen

Regensburg, 10. Oktober 2007 (mz/wotruba) - Wenn ein länger gehegter Traum Realität wird, wird's schnell emotional. Für Kurt Ring, den sportlichen Leiter der LG Domspitzmilch Regensburg, besaß der Tag höchste Wertigkeit. „Das Athletenhaus ist fertig. Das ist ein Moment wie der, als bei der ersten Gala Mocki (Spitzname von Langstrecklerin Sabrina Mockenhaupt, d. Red.) auf meinem Arm saß. Oder wie jener, als ich bei der Cross-DM Dieter Baumann abklatschen konnte.” Ring und Co. haben einen Plan realisiert, an dem viel Herz und Hintergrund hängt. „Wir wollen die Grundvoraussetzung für Leistungssport schaffen.”

In fröhlicher Runde frühstückten in der Nähe des Regensburger Fernsehturms also fünf junge Talente der LG Domspitzmilch in ihrer neuen Heimat, dem Athletenhaus. Den Auftrag der Studenten-Crew formuliert Ring so: „Die Athleten können mit Leistung antworten.” Susi Lutz (20), Michelle Weitzel (20), Elena Horn (20), Max Meingast (21) und Philipp Pflieger (20), die allesamt schon Erwähnenswertes in Lauf, Mehrkampf oder Stabhochsprung abgeliefert haben, war das gute Gefühl am Gesicht abzulesen. Ab Februar macht Christiane Danner (19), die nach dem Abitur derzeit Auslandserfahrung sammelt, das Sextett komplett. Alles ist wohl durchdacht, bis hin zur Geschlechtermischung. „Ich wollte keinen Zickenkrieg, aber auch nicht nur Jungs”, er-klärt Ring; der anders als in anderen Förder-Einrichtungen sehr genau die Lebensumstände beachtet hat und beachten wird. Dazwischen bricht schnell auch mal der Grundschullehrer in ihm durch, etwa beim Thema Finanzen: „Wir werden je nach Können und Kaderzugehörigkeit fördern bis hin zur Nullmiete. Aber ich bestehe darauf, dass eine bestimmte Summe der Nebenkosten bezahlt wird. Was nix kostet, ist nix wert. Man muss schon auch noch erzieherisch eingreifen”, spricht Ring wie immer Klartext. Viel ist auf die Zukunft ausgerichtet bei der LG Domspitzmilch, der in Kürze eine Umbenennung mit neuem Hauptsponsor bevorsteht. „Diese Youngster sollen gezielt wachsen”, sagt Ring. Die bisherigen Aushängeschilder „kamen als fertige Athleten”: So wie der Zehnkampf-Olympia-Zwölfte von Athen 2004, Florian Schönbeck,oder aktuell noch Siebenkämpferin Karin Ertl, die jedoch ebenso am Ende der Karriere steht wie der Neuseeländer Jason Stewart, der wohl 2008 aufhören wird und gerne zum Abschluss in Peking bei Olympia dabei wäre.

Das Athletenhaus soll den Nachwuchshoffnungen helfen, den schwierigen Schritt des Umbruchs zu bewältigen. „Nach der Jugend ändert sich oft alles drastisch: Alles Vertraute wie Trainingsstätte oder Trainer ist weg. Es kann richtig einsam sein, wenn man in eine fremde Stadt kommt oder von zu Hause auszieht”, versetzt sich Kurt Ring in die Lage seiner Schützlinge und weiß, dass dabei viele, zu viele im deutschen Sport auf der Strecke bleiben. Dazu kommt das erschwerte Training: „In der Jugend geht die Entwicklung oft schnell, da gibt's Leistungssprünge”, erklärt Ring und blickt auf seine Talente: „Leistungstraining aber ist anders. Jetzt kommt ihr in ein Alter, wo ihr dem Körper etwas abzwingen müsst.”

Ring und der LG Domspitzmilch geht es nicht darum, unter Garantie Deutsche Meister und Olympia-Teilnehmer zu „produzieren”, sondern sinnvolle, gezielte, direkte Förderung zu betreiben. Das reizt und macht anziehend. Wie im Fall von Neuzugang Philipp Pflieger. „Dass er mit wehen-den Fahnen zu uns gewechselt ist, ehrt uns”, sagt Kurt Ring ein klein wenig stolz über den süddeutschen 1500-Meter-Meister, der wie Susi Lutz schon zum deutschen B-Kader gehört. „Sein bisheriger Verein VfL Sindelfingen ist nicht irgendwer, sein Trainer Frank Zimmermann auch nicht. Er lief in den 70er-Jahren über 10 000 Meter mit 27:45 eine Weltklasse-Zeit, mit der man auch heute noch nach Peking kommt.” Im Internet im Portal leichtathletik.de war Pflieger auf die LG-Pläne gestoßen, schnell war Einigkeit erzielt, „auch wenn sie in Sindelfingen natürlich nicht begeistert waren”, sagt Pflieger.

Gemeinsam wurde das neue Heim hergerichtet. „Ich lobe nicht oft, im Training ganz selten, aber hier schon”, sagte Kurt Ring über die Eigenleistung. Es war übrigens das einzig besichtigte Objekt, weil es für die LG-Zwecke passte wie die Faust aufs Auge. „Meine Frau Doris hat`s in der Zeitung gefunden. Die relativ kleinen Räume auf drei Stockwerken sind für eine Familie heutzutage nicht mehr ideal.” Fürs Athleten-haus ist es perfekt. Im Keller entsteht zudem noch ein kleiner Physio-und Lernbereich: Die Bewohner können dann schon mal Auswärtige wie die deutsche 400-Meter-Jugendmeisterin Corinna Harrer bei sich Hausaufgaben machen lassen. Kurt Ring freute sich auch über Sponsorenhilfe. Willi Fuchs (Foxx) stellte etwa diverse Elektrogeräte, Bäcker Ebner deckt öfter mal den Tisch. „Wir haben nimmer bloß Förderer, sondern echte Sponsoren, weil wirauch Gegenleistungen anbieten können”, freut sich Ring über die Vereinsentwicklung und hat in Jochen Schweitzer oder Otto Prinzing, dem Geschäftsführer der athletics-Sport GmbH, die der LG-Vermarktung dient, tatkräftigste Unterstützer. „ein ordentliches Geldvolumen” lässt sich die LG Domspitzmilch das Athletenhaus laut Ring jährlich kosten, wie überhaupt das LG-Finanzvolumen inzwischen durchaus beachtlich ist. „In allen Ästen unserer Vereinigung setzen wir eine sechsstellige Eurosumme plus Ubungsleiterpauschalen um”, erklärt Ring.

Jetzt muss das Athletenhaus nur noch Früchte tragen. Vielleicht schon bald? Am 19. November finden in Darmstadt die Ausscheidungen für die Cross-EM Anfang Dezember im spanischen Torro statt. Susi Lutz und der zuletzt allerdings an einer Wundrose leidende Philipp Pflieger wollen sich qualifizieren. „Athletenhaus-Duo trumpft auf” wäre keine schlechte Überschrift...


Fotos: Übergabe des Athletenhauses an die jungen Sportler (Schweitzer-Fotos)